Der Wonneproppen



 


Endlich ist er da, der Wonneproppen.

Die stolzen Eltern sind durch nichts mehr zu stoppen.

Gestern strampelte er noch lustig in Mammis Bauch.

Strampeln, das kann er jetzt aber auch.



Nur jetzt kann man auch die Beinchen seh’n.

Ach, Gott, was ist unser Baby schön!

Wem sieht es denn ähnlich“, fragt man sich stolz.

„Natürlich uns beiden, es stammt doch aus unserer beider Holz.“



Es ist zwar ein Baby, das aussieht, wie viele in Europa.

Man entdeckt sogar etwas Ähnlichkeit mit Opa.

„Ach, seht nur, wie es krähen und lachen kann,

es zieht gleich jeden in seinen Bann.“



Es wird gehätschelt, gepäppelt und zu heiß geliebt,

was bei Babys kein gutes Beispiel gibt.

Am wohlsten fühlt es sich an Mammis Brust, beim Stillen.

Und es zeigt bald schon den eigenen Willen.



Der Wonneproppen wird größer und bleibt auch schön.

Es ist eine Freude, mit anzuseh’n,

wie die Entwicklung weitergeht,

und er plötzlich als Bub neben den Eltern steht.



Noch immer sind sie voller Stolz.

Er ist unumstritten aus eigenem Holz.

Die Boutiquen werden gestürmt. „Es wär’ doch gelacht,

wenn unser Sohn keinen guten Eindruck macht.“



Die Eltern entdecken jeden Tag mehr als genug.

„Unser Sohn ist nicht nur schön, sondern auch klug!“

Jetzt wird sehr fleißig investiert,

und er wird mit Macht an die Bildung geführt.



Er konnte sich gar nicht dagegen wehren.

Bei den stolzen Eltern kam er auch ohne Leistung zu Ehren.

Aber die Zeit läuft. Der Wonneproppen wird älter.

Die heiße Liebe wird langsam kälter.



Er macht immer nur das, was er selber will,

und die Eltern schweigen dazu still.

Sie werden alles akzeptieren,

schließlich wollen sie sich doch nicht blamieren.



Der Wonneproppen entwickelt sich zu einem Mann

mit vielen Fehlern, Flecken und Rändern.

Man tut zwar alles, was man kann,

kann aber leider nichts mehr ändern.



Heute fragen die Eltern sich oft,

und gar nicht mehr so stolz.

„Wir hatten uns von ihm so vieles erhofft.

Ist er überhaupt aus unserem Holz?“